Im Fahrstuhl gefangen
Der Geldbriefträger Hansen ging zur Wohnung von Bruno Schmidt und klingelte. „Treten Sie ein“, sagte ein Mann, den der Briefträger nicht kannte. „Herr Schmidt kommt sofort, er ist gerade im Badazimmer.“
Hansen ging auf die Wohnzimmertür zu. Er kannte diese Wohnung und freute sich schon auf den Schnaps, den er immer bekam, wenn der Geld brachte.
Er sah nicht die Pistole, die sich jetzt auf seinen Nacken richtete und hörte auch den Schuß nicht mehr. Schwer schlug sein Körper auf den harten Boden.
Mit gierigem Griff nahm der Mörder die Geldtasche seines Opfers, drehte sich um und steckte die vielen Geldscheine in eine Aktentasche. Dann putzte er sorgfältig die Pistole und legte sie auf den Schreibtisch.
Alles geschah in Minutenschnelle. Dann lief der Verbrecher zur Wohnungstür, lauschte kurz und machte die Tür von außen zu.
Etwa zehn Minuten später kam Bruno Schmidt nach Hause. Er öffnete die Wohnungstür und erblickte den Toten. Ihm stockte der Atem. Es dauerte lange, bis er sich wieder gefaßt hatte. Dann ging er ins Wohnzimmer, sah die Pistole auf dem Schreibtisch und nahm sie in die Hand. Mit der anderen Hand wählte er die Notrufnummer der Polizei.
Nach kurzer Zeit war die Mordkommission zur Stelle.
„Wann wurde der Mann getötet?“, fragte Inspektor Weller den Polizeiarzt.
„Zwischen halb neun und neun Uhr“, antwortete dieser.
Nun wandte sich der Inspektor seinem Assistenten Behrmann zu. „Schon was Besonderes?“, wollte er wissen. „Nein, nur eine Postanweisung über zwanzig Mark und die Pistole, die zweifelsohne auch die Mordwaffe ist. Es sind nur die Fingerabdrücke von Schmidt darauf.“
Inspektor Weller ging auf den Fotografen zu. „Wann brauchen Sie für Ihre Leuchten denn ein Aggregat?“ „Weil in diesem Stadtviertel von 9 bis 11 Uhr der Strom abgeschalten ist.“
Nachdenklich sah der Inspektor aus dem Fenster. Plötzlich sagte er: „Denken Sie nach! Hansen wurde zwischen halb neun und neun ermordert. Los, Mann, kommen Sie, wir müssen sehen, wo sich der Fahrstuhl befindet!“
Der Lift stand zwischen dem dritten und zweiten Stock. War ein harmlose Fahrgast im Lift, würde er sich bestimmt bemerkbar gemacht haben, um befreit zu werden. Nicht aber der Mörder. Der hatte allen Grund, sich ruhig zu verhalten.
Inspektor Weller gab kurze Anweisungen, dann begann die Blitzaktion.
Vor jeder Tür des Fahrstuhlschachtes standen zwei Kriminalbeamte. Zwei Minuten vor elf!
In fieberhafter Spannung sahen die Männer auf ihre Uhren. Noch 60 Sekunden, noch 40 Sekunden, noch 19... Jetzt flammte das Licht auf. Der Fahrstuhl fuhr weiter und hielt im ersten Stock. Der Mann, der jetzt vorsichtig die Tür öffnete, erstarrte aber, als der die beiden Männer sah, die ihre Pistolen auf ihn richteten.
Eine Stunde später erklärte Inspektor Weller dem Kriminalrat: „Der Mörder wohnt im ersten Stock des gleichen Hauses und kannte die Gewohnheiten von Schmidt genau. Er machte für ihn ab und zu Besorgungen und konnte sich leicht einen Nachschlüssel verschaffen. Ihm war weiter bekannt, wann der Geldbriefträger viel Geld bei sich hatte, und schrieb dann eine Postanweisung an Schmidt. Er wusste auch genau, wann Hansen zustellte und dass er dann mit ihm allein in der Wohnung sein würde.
Sein Pech war es, dass er das Ankündigungsschreiben für die Stromabschaltung, das im Hauseingang hing, nicht gesehen hatte, dann hätte er nämlich die Treppe benutzt.“
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